Über Kallocain

Kallocain ist der kritische Blog (und allenfalls Podcast), der über politische Themen wie beispielsweise das BüPF berichtet, der aber ebenfalls Themen wie Bildung und Erziehung streift. Einfach alle Themen, die das Leben heute wichtig machen. Vieles sind sogenannte netzpolitische Themen, ich nenne sie politische Themen, denn ich unterscheide nicht zwischen einem online und einem offline oder analogen Leben oder einem Real Life. Denn für mich ist alles mein Leben, dieses spielt sich hier und jetzt ab und ich kann dieses Leben im Netz verbringen, bin aber immer noch präsent im gegenwärtigen Raum. Peter Sunde nannte das treffend AFK (away from keyboard). Ich nenne es — mein Leben. Daher werden auf diesen Seiten eben politische Themen, Bildung und alles, was mich sonst noch interessiert, notiert.

Der Name des Blogs Kallocain stammt aus einem gesellschaftskritischen und utopischen Roman aus dem Jahre 1940, den die schwedische Schriftstellerin Karin Boye veröffentlicht hat. Es ist ihr bekannteste und letzter Roman und er wurde auch in andere Sprachen übersetzt. Zudem war er Inspiration für den Film Equilibrium.
Kallocain war eine direkt Reaktion auf die gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland und der Sowjetunion während des zweiten Weltkrieges Im Roman, der Science Fiktion und Dystonie ist, wird eine Gesellschaft beschrieben, in welcher das Individuum dem Staat gehört und eine Bedeutung nur in der Gruppe erlangen kann. Zudem werden die Menschen ständig überwacht. Es ist eine enge, fast klaustrophobische Gesellschaft, die beschrieben wird. Gehirnwäsche, Propaganda und Überwachung sind die Ziele des Staates Weltstaat (die Globalisierung lässt grüssen), um diese zu erreichen, hat der Protagonist die Droge Kallocain erfunden, welche bewirkt, dass die Menschen ihre geheimsten Gedanken, insbesondere natürlich staatskritische, enthüllen. Der Staat überwacht mit elektronischen Polizeiohren und hat Haushaltshilfen installiert, welche abweichendes Verhalten an die Polizei rapportieren. Denunziantentum gehört zur Tagesordnung, Kinder werden in Erziehungslager geschickt, wo sie indoktriniert werden, damit sie gute, loyale Mitsoldaten und Mitsoldatinnen werden. Die Menschen schätzen diese Kontrolle aber, denn sie sind überzeugt davon, dass diese Kontrolle ihnen mehr Sicherheit gebracht hat.

”Ur tankar och känslor föds ord och handlingar. Hur skulle tankar och känslor då kunna vara den enskildes ensak? Tillhör inte hela medsoldaten Staten? Vem skulle då hans tankar och känslor tillhöra, om inte Staten de också? Hittills har det bara inte varit möjligt att kontrollera dem – men nu är alltså medlet funnet. /…/ Medlet ska tjäna vår trygghet, allas vår trygghet, Statens trygghet.”
(s. 12-13)
Karin Boye, Kallocain (1940)

Auf deutsch ungefähr so übersetzt:

Aus Gedanken und Gefühlen werden Worte und Handlungen geboren. Wie sollen da Gedanken und Gefühle, Sache des Individuums sein können? Gehört denn nicht der ganze Mitsoldat dem Staat? Wem sollten dann also seine Gedanken und Gefühle gehören, wenn nicht ebenfalls dem Staat? Bisher war es einfach nur nicht möglich diese ebenfalls zu kontrollieren – doch nun wurde also ein Mittel gefunden. /…/ Dieses Mittel wird unserer Sicherheit, unser aller Sicherheit, der Sicherheit des Staates dienen.

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